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Die Ausgrabungen in Ankum 2009-2011 mit einer kleinen baubegleitenden Maßnahme in 2012 werden nun abschließend ausgewertet. Der Schwerpunkt der Auswertung liegt dabei auf den hauptsächlich mittelalterlichen Funden. Die wenigen Objekte, die aus der Steinzeit geborgen wurden und diejenigen, die sich nach 1500, in die Neuzeit, datieren lassen werden zu einem späteren Zeitpunkt detaillierter vorgestellt.
Schon jetzt kann das Ergebnis der C14-Datierungen vorweggenommen werden, die im wesentlichen die bisherigen Datierungen, die anhand der gefundenen Tonscherben und Metallobjekte  gemacht wurden, bestätigen aber auch für eine kleine Überraschung sorgten: Die älteste Phase der Besiedlung an der Ankumer Kirchenburg kann nun endlich für die erste Hälfte des 7. Jahrhunderts bestätigt werden. Die markante Grabenanlage, die das untersuchte Gelände von Westen nach Osten durchzieht wurde in dieser Zeit angelegt und gehörte wohl zu einer altsächsischen Hofanlage. Spuren dieser Anlage konnten nur in Form einiger weniger Tonscherben bestätigt werden – vermutlich lag die Hofstelle im Bereich der heutigen St. Nikolauskirche.
Bis Ende April wird die Auswertung der mittelalterlichen Befunde und Funde nach andauern. Dann liegt ein abschließender wissenschaftlicher Grabungsbericht vor, der voraussichtlich 2014 in der Reihe der Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens erscheinen wird. Die Arbeit wird neben der Grabungsdokumentation zahlreiche vertiefende und weiterführende Beiträge enthalten und eine materielle Grundlage für die Dissertation von Thomas Raimann (Universität Osnabrück) liefern, die sich mit der Herausbildung früher Herrschaftsstrukturen im Osnabrücker Nordland beschäftigt und voraussichtlich ebenfalls in diesem Jahr abgeschlossen sein wird.

Petition

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Der archäologischen und denkmalpflegerischen Tätigkeit und Forschung stehen schwere Zeiten ins Haus. Die Landesregierung NRW will die Zuschüsse für Archäologie und Denkmalpflege streichen.
Helfen Sie mit Ihrer Unterschrift, die Absage an Kulturgut und kulturellem Gedächtnis zu verhindern!

https://www.openpetition.de/petition/online/angekuendigte-streichung-der-landeszuschuesse-fuer-die-archaeologie-und-denkmalpflege-zuruecknehmen

Ausgrabungen abgeschlossen

Die archäologische Feldforschung konnte planmäßig beendet werden. Nachdem seit August 2009 in mehreren Etappen insbesondere die Nordflanke der Fundstelle untersucht wurde werden nun sämtliche Funde und Befunde ausgewertet. Eine Veröffentlichung der Ergebnisse ist für 2012 geplant.

Zum Schluss verbleibt noch die angenehme Pflicht einen Dank auszusprechen an die zahlreichen Beteiligten auf der Grabung, während der Auswertung und Restaurierung der Funde sowie für die tatkräftige Unterstützung und Hilfe. Der Kirchengemeinde mit Pfarrer Bernd Heuermann und dem Kirchevorstandsvorsitzenden Peter Bokeloh sowie Reinhold Coenen als Initiatoren und Unterstützer gilt mein ausgesprochener Dank insbesondere für die gute Zusammenarbeit.
Ich danke meinem Grabungsteam ohne die eine so intensive Forschungen in Ankum nicht möglich gewesen wäre: Ingo Jüdes (Techniker), Andreas Niemuth (Techniker), Sabrina Hegenbarth-Jüdes (Bramsche), Louisa Fuhrmann (Wilhelmshaven), Martina Garthaus (Ankum), Ute Gröbe (Dorsten), Joshua Haidinger (Stockstadt am Rhein), Carina Beckmann, Ute Buschmann, Anne Dörbandt, Tim Eggert, Julia Forsmann, Philipp Godulla, Nicole Grunert, Jan-Niklas Tiedemann, Timm Hamann, Laura Haupt, Patricia Hein, Peter Hessel, Nadine Knuck, Hannah Schmitt, Thomas Sturm, Steffi Unland, Robin Veltmann (alle Uni Münster), Christina Schmidt (FSJ Kultur Osnabrück/Uni Freiburg), Simon Haupt, Michael Koch (beide Uni Osnabrück), Birte Driehaus, Sarah Lublasser und Jens Schubert (alle Uni Kiel).
Mein Dank geht auch an Andreas Meyer (Bramsche) stellvertretend für die Arbeiter von der „Brücke“ in Bramsche und deren tatkräftige Unterstützung sowie an den jüngsten Grabungshelfer Thorben Buchholz (Ankum).
Ich danke meinen Kollegen bei der Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück, insbesondere Bodo Zehm (Fachdienstleiter), Ulrike Haug (Restauratorin), Wolfgang Remme (Vermessungstechniker) und George Tarek (Archiv).
Ich danke Frau Prof. Dr. Zylla und Frau Strickstrock von der Hochschule Osnabrück für die Materialanalysen an Keramik- und Metallartefakten.
Mein herzlicher Dank geht an Ralf Gramann (Ankum) für die stets prompte und tatkräftige Unterstützung und die ungezählten Stunden mit dem Minibagger.
Schließliche danke ich all jenen ungenannten Ankumern, Interessierten und Besuchern der Ausgrabung für die freundliche Akzeptanz, die anhaltende Neugierde und ihre Unterstützung!

Die Grabung in Ankum neigt sich dem Ende zu. Bis zum 30. September wird noch geforscht.

Seit dem letzten Eintrag sind noch einige interessante Funde gemacht worden. Wie zum Beispiel ein vergoldeter Zierknopf mit Adlerdarstellung (siehe Foto). Vergleichbare Stücke stammen aus dem frühen 13. Jahrhundert, zur Zeit der Staufer, und wurden stets im Umfeld einer Burganlage entdeckt. Der Ziernagel wurde vermutlich dazu verwendet ein hölzernes Behältnis oder lederne Riemen oder Taschen zu verzieren.

Ein weiterer Grabungsschnitt unmittelbar nördlich des Kirchturms sollte der Frage nachgehen, wie dieses angeblich 1514 errichtete Bauwerk fundamentiert ist. Dabei machten wir eine interessante Entdeckung. In ca. 1,20 m Tiefe konnten wir mindestens zwei Mauerzüge verfolgen, die unter das Mauerwerk des heutigen Turmes ziehen und damit älter als 1514 zu datieren sind. Vermutlich handelt es sich dabei um Relikte einer steinernen Kirche aus dem Hoch- oder Spätmittelalter (siehe Foto).

Mauerstrukturen nördlich des Kirchturms - haben sich hier Reste eines alten Sakralbaus erhalten?

Nördlich der Umfassungsmauer wurde Ende August nochmals ordentlich Erde bewegt. Schnitt 15 konnte erweitert werden und ermöglicht es damit das 2010 entdeckte Grubenhaus mit Ofenanlage nunmehr vollkommen freizulegen und zu dokumentieren. Hier lässt sich auch einwandfrei belegen, dass das alte Grabensystem älter als die Anlage der Grubenhäuser sein muss, die aufgrund der in ihnen gemachten Funde zwischen 850 und 900 datieren.

Etwas weiter östlich und nördlich daran anschließend befindet sich noch ein längerer Grabungsschnitt, den es bis Ende des Monats noch zu untersuchen gilt. Hier befinden wir uns noch nicht auf dem Befundniveau, dies dürfte aber im Laufe der kommenden Woche erreicht sein – erste mittelalterliche Befunde deuten sich durch Konzentrationen von Keramikfunden bereits an.

Im Juli ist auf der Grabung viel geschehen – nur wenig davon lässt sich in eindrucksvollen Bildern präsentieren, da sich die interessanten Befunde meist nur in flüchtigen Verfärbungen oder ihrer Relation zueinander darstellen. Dennoch sollen heute wieder einmal einige Dinge zusammengefasst werden, um zu zeigen was sich alles in den letzten Wochen getan hat:

Schnitt 11A/B: Beide Schnitte sind mittlerweile vollständig dokumentiert und wieder verfüllt worden. In 11A konnten unter dem Fußboden eines mittelalterlichen Hauses drei zeitlich voneinander zu trennende Schichten mit Bestattungen freigelegt werden. Nur anhand der Sargstandspuren konnte überhaupt auf das Vorhandensein von Bestattungen geschlossen werden, da sämtliche Knochen schon lange vergangen waren. Daher ist es auch schwierig die Bestattungen zeitlich einzuordnen – sie müssen älter sein als das Haus, das in das 13. Jahrhundert datiert wird. Vor der Nutzung des Areals als Friedhof gibt es Hinweise auf eine einfache Wallanlage. Es liegen leider keine stichhaltigen Beweise für die Existenz eines solchen Befestigungswerkes vor, dennoch deuten kleinere Befunde ein Vorhandensein an. Um diese Frage vollends zu klären müsste im Bereich unter der Mauer und auf der Innenseite nochmals in größerem Umfang gegraben werden – eine Arbeit die in der noch zur Verfügung stehenden Zeit leider nicht möglich ist.

Schnitt 12: Hier konnte das Grabensystem, das 2010 schon entdeckt wurde, weiterverfolgt werden. Ein Graben“arm“ zweigt nach Norden hin ab und endet nach wenigen Metern – in den nächsten Wochen soll der Schnitt Richtung Norden erweitert werden. Findet sich dort ein „Gegenstück“ so könnte es sich bei dem Graben um eine Einfriedung für z.B. ein Gebäude handeln und die „Lücke“ zwischen den beiden Grabenenden wäre als Zugang zum Grundstück zu interpretieren. Ein Teil eines West-Ost-verlaufenden Grabens war mit mittelalterlichem Abfall angefüllt. Aus diesem Abfallhaufen stammen auch die bereits erwähnten Kämme.

Schnitt 15: Auch in diesem Schnitt am westlichen Rand des alten Küstergartens konnte ein Teil des Grabensystems nachgeweisen werden – hier konzentrieren sich die Forschungen in der kommenden Woche, dann ist auch dieser Schnitt abgeschlossen. Insgesamt zwei neue Fibelfunde sind aus diesem nur ca. 3×3 m großen Abschnitt zu verzeichnen.

Schnitt 16: Nördlich des alten Schnittes 7 und zwischen den Schnitten 5D und 8 aus dem Jahre 2010 gelegen wurde ein ca. 4 x 7 m großer Suchschnitt angelegt, der mittlerweile auf Befundtiefe abgetragen wurde. Noch sind die Befundgrenzen stark verwaschen und lassen sich nicht interpretieren – in ein bis zwei Wochen werden hier aber auch eindeutige Befunde vorliegen.

Schnitt 17: Der neueste Schnitt liegt unmittelbar an der Nordseite des Westturmes und soll der Frage nach der Fundamentierung des Turmes nachgehen. Hier wurde bislang nur im Bereich des neuzeitlichen Schutts gegraben, der durch den Abriss der Vorgängerkirche (1895) hier aufgebracht wurde.

Anlässlich des eingeweihten Infocontainers gibt es eine neue Pressemitteilung. Der Artikel wurde auch bereits in der Rubrik „Pressespiegel“ verlinkt.

Nachdem es in den letzten Wochen etwas still geworden ist im Blog melden wir uns mit sehr schönen neuen Funden aus dem Mittelalter zurück.

Aus Schnitt 12 stammt der Fund eines sehr gut erhaltenen mittelalterlichen Eisenmessers. Das Messer ist vermutlich ins 12.-14. Jh. zu datieren. Es stammt aus unmittelbarer Nähe einer sehr fundreichen dunkel-humosen Schicht, die aufgrund des Fundmaterials ins Spätmittelalter zu datieren ist. Das Eisenmesser befindet sich bereits in der Restaurierung. Natürlich ist der Griff, der einst aus organischem Material (z.B. Holz) gewesen ist, mittlerweile vergangen, die Klinge und der Schäftungsdorn sind aber  laut Aussage unserer Restauratorin in sehr gutem Zustand.

Originale Fundlage des Messers in Schnitt 12

Weitere bemerkenswerte Funde wurden gestern und heute (28./29. Juni) gemacht. Aus der erwähnten dunkel-humosen Schicht wurden zwei Knochenkämme geborgen sowie ein Knochenwerkzeug (Pfriem). Die Stücke sind allesamt unverziert. Bei einem der Kämme handelt es sich um das Bruchstück eines sogenannten Dreilagen-Kamms, der andere Kamm ist ein Steilkamm und wurde entweder im Textilhandwerk oder als Zierkamm verwendet. Die Knochenkämme datieren ebenfalls ins Hoch- bis Spätmittelalter (12.-14. Jh.)

Originale Fundlage des Steilkamms in Schnitt 12

 

 

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