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Archive for April 2011

Wie berichtet wurde in Schnitt 11A ein Stampflehmfußboden eines Hauses teilweise freigelegt. Anhand der neuesten Erkenntnisse scheint es nun gesichert zu sein, dass es sich dabei nicht um ein neuzeitliches, sondern um ein mittelalterliches Haus handelt! Auf der Fußbodenoberfläche konnte das Fragment einer Silbermünze geborgen werden. Nach der Restaurierung des Fragments konnte die Zugehörigkeit der Münze bestimmt werden (mein Dank geht dabei an Dr. Sebastian Steinbach M.A.). Es handelt sich dabei um einen Silber-Denar des Münsteraner Bischofs Ludolf von Holte (1226-1248), der zu der Familie von Holte nahe Osnabrück gehört (Holter Burg). In folgender Verlinkung erhalten Sie weitere Informationen sowohl über Bischof Ludolf von Holte als auch über den Silber-Denaren, samt Abbildung.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ein kleines Münzfragment kann nur ein erstes Indiz für die Datierung des Fußbodens liefern, aber nach erster Durchsicht der kleinen Keramikfragmente, die ebenfalls aus dem Stampflehmfußboden stammen, teilweise nach Art des Siegburger Steinzeugs, wird eine Datierung in das beginnende Spätmittelalter, bzw. in das 13. Jahrhundert sehr wahrscheinlich.

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Für den 3. Mai ist ein öffentlicher Vortragsabend geplant, um über die aktuellen archäologisch-historischen Forschungen in Ankum zu informieren. Dies ist nun der zweite Vortragsabend in diesem Jahr und der insgesamt vierte in Ankum seit Beginn der Grabungen.

Die Veranstaltung findet in „Haus Kirchburg“ in Sichtweite der aktuellen Ausgrabung statt, der Eintritt ist frei, Beginn: 19 Uhr.

Es sprechen Dr. Daniel Lau über die aktuellen Grabungen im Kirchenhof sowie Thomas Raimann über sein Promotionsvorhaben im Fach Geschichte des Mittelalters an der Universität Osnabrück.

Bei guter Witterung wird es eine kurze Besichtigung der Grabungsflächen geben.

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In Schnitt 11A haben wir unter der Asphaltdecke und dem Kieselpflaster einen Stampflehmfußboden entdeckt. In der alten Flurkarte von 1788 ist an der Nordseite der Kirchenburganlage ein Haus eingezeichnet (siehe im Plan Gebäude Nr. 8), das in den zeitgenössischen Beschreibungen als das „Wellmann’sche“ Häuschen bekannt war. Dabei dürfte es sich um ein kleineres Fachwerkhaus in Schwellbalken-Konstruktion gehandelt haben.

Die Kirchenburganlage nach einer Flurkarte von 1788. Mit dem Pfeil ist Gebäude Nr. 8 markiert, das Wellmann'sche Haus.

Bereits 2009 unternahmen wir den Versuch diesen Wohnbau zu entdecken, als wir in den Schnitten 3a und 3b entlang der Innenseite der Mauer gegraben haben. Dort förderten wir damals nur zahlreiche Bestattungen zutage – anders in Schnitt 11A, der bislang komplett ungestört ist, so dass sich auch der alte Fußboden erhalten hat.

Ob es sich wirklich um das Wellmann’sche Haus handelt kann bislang nur vermutet werden, zu klein ist der als Profilerweiterung geplante Schnitt, um sichere Aussagen zu treffen. Im Mai werden jedoch größere Bereiche entlang des asphaltierten Wegs geöffnet, um dieser Frage nachzugehen.

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In Schnitt 10E, der am Nordrand des alten Friedhofs liegt, kamen seit Grabungsbeginn mehrere Bestattungen zum Vorschein, die eine Besonderheit aufweisen. Normalerweise sind christliche Gräber streng vereinheitlicht worden: Den Kopf im Westen und die Füße im Osten orientiert bei gestreckter Rückenlage. Allenfalls die Armhaltung konnte variieren und nur die Sarggüte unterschied soziale Oberschicht von Unterschicht. Alle Gräber waren in der Regel beigabenlos, so dass es für den Archäologen ohne Labormethoden nahezu unmöglich ist solche Bestattungen zu datieren.

Allerdings gab es seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert eine Besonderheit. Jungen unverheirateten Männern und Frauen, aber auch Kindern, wurden sogenannte Totenkrönchen mit in das Grab gegeben. Bei einem Totenkrönchen handelt es sich um ein sehr aufwendig gestaltetes Flechtwerk aus sehr dünnem Silber- oder Buntmetalldraht, das mit Federn, Silberflitter, Glashohlperlen oder in sehr seltenen Fällen auch mit Flussmuschelperlen verziert und auf einen eisernen Reifen gesteckt war.

Mehrere dieser Totenkrönchen konnten bei den Ausgrabungen geborgen werden – die Vermutung liegt nahe, dass der derzeitige Schnitt 10E als Friedhofsareal für Kinder und ledig verstorbene vorbehalten war. Weitere Untersuchungen werden in den kommenden Wochen vielleicht mehr Anhaltspunkte liefern können.

Schnitt 10E: Totenkrönchen in originaler Fundlage (Foto: N. Grunert).

 

Detail einer Totenkrone am Schädel. Die grüne Verfärbung stammt von den Oxidationsprozessen. (Foto: S. Hegenbarth-Jüdes)

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Update 3

Die Seiten Pressespiegel und Team wurden aktualisiert!

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Schnitt 11A an der nördlichen Umfassungsmauer wurde in dieser Woche Richtung Süden erweitert. Dabei musste die Asphaltdecke aufgerissen werden. Darunter kam ein gut erhaltenes Pflaster aus Kieselsteinen zutage. Bislang vermuten wir, dass das Pflaster aus der Zeit zwischen 1850 und 1930 stammen könnte, weitere Forschungen am und vor allem an den darunter liegenden Schichten in den Schnitten 11A und 11B erfolgen in den nächsten Tagen und können dazu beitragen die Datierung einzugrenzen.
Kieselsteinpflaster unter der Asphaltdecke

Der Hintergrund für die Süderweiterung ist der Fund einer mächtigen von Menschenhand aufgeschütteten Erdschicht direkt vor der Mauer. In einem kleinen ca. 1,5 x 1,5 m großen Tiefschnitt wurde eine 2,0 m starke Erdschicht entdeckt, die anhand der geringen Funde, die aus ihr stammen, in die Zeit um 900 oder älter datiert werden muss. Diese Erdschicht läuft sowohl Richtung Norden unter die Mauer als auch nach Süden. Der weitere Verlauf dieser Erdschicht Richtung Süden soll erforscht werden und Aufschluss über die Funktion bringen. Zwei Möglichkeiten bestehen – entweder handelt es sich dabei um einen mächtigen Wall, also eine Befestigungsanlage auf der die Mauer zu späterer Zeit errichtet wurde, oder es ist eine Planierschicht, die aufgetragen wurde, um das Niveau hinter der Mauer anzugleichen und eine vergrößerte Lauffläche zu erhalten.

In den nächsten Wochen soll die Frage nach der Funktion der Erdschicht geklärt werden.

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