Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for Mai 2011

Ausstellung in Ankum

von Christina Schmidt

Einige von Ihnen werden bereits den ausgedienten Baucontainer am Südportal der Kirche St. Nikolaus bemerkt haben. In den vergangenen Wochen hat sich dort einiges getan: Der Fußboden wurde erneuert, die Wände mit Stoffbahnen ausgekleidet, Banner angebracht.

Im Container am Südportal finden Sie künftig Informationen zu den Ausgrabungsergebnissen aus den Jahren 2009 und 2010.

 

Der Grund hierfür ist die bevorstehende Ausstellung über die archäologische Forschung an der Kirchenburg zu Ankum. Geöffnet ist der Info-Container nun schon seit dem 26. Mai, die offizielle Eröffnung folgt am 14.06.2011. Zu bestaunen gibt es Stelltafeln über die Ausgrabungen der Jahre 2009 und 2010 in Ankum, ihre Hintergründe und erste Ergebnisse. Funde können leider mit Ausnahme einiger Tonscherben nicht ausgestellt werden, da die Restaurierungsarbeiten sowie die wissenschaftliche Aufarbeitung noch nicht vollständig abgeschlossen sind. Wir bitten um Ihr Verständnis. Als kleine Entschädigung finden Sie zahlreiche Fotos und Einblicke in die Arbeit der Archäologen auf den Ausstellungstafeln.

Besuchen können Sie die Ausstellung ab sofort täglich Mo-So 08.00-19.00.

Wir freuen uns über Ihren Besuch!

 

Der Container hält Infotafeln bereit und ist ab sofort jeden Tag geöffnet.

Gelegenheit mich einmal persönlich vorzustellen: Denn die Ausstellung ist zugleich mein eigenverantwortliches Projekt im Rahmen des FSJ Kultur bei der Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück. Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) ist den meisten nur aus dem sozialen Bereich bekannt, kann seit nunmehr 10 Jahren allerdings auch in kulturellen Einrichtungen absolviert werden. Das Spektrum ist weit gefächert: Von der Mitarbeit in Musik- und Kunstschulen über Theater, Museen und Jugendzentren bis hin zu lokalen Radiosendern. Der Trägerverein ist die Landesvereinigung für Kulturelle Jugendbildung (LKJ) Niedersachsen. Seit September 2010 unterstütze ich als Freiwillige nun schon das Projekt an der Kirchenburg Ankum, war sowohl an den Grabungen als auch an der Aufarbeitungsphase in unserer Dienststelle in Osnabrück in den Wintermonaten beteiligt. So kam es, dass mir die Gestaltung und Konzeption einer Stellwandpräsentation als Projektarbeit anvertraut wurde, deren Ergebnis Sie fortan in Ankum besichtigen können.

Weitere Informationen zum FSJ Kultur finden Sie unter: www.fsjkultur.de

 

Advertisements

Read Full Post »

Am 24. Mai erschien ein neuer Artikel über die Forschungen an der Kirchenburg in der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ):

Ein „gewisser Reichtum“ rund um die Kirchenburg – Der Artikel ist nun auch in der Rubrik „Pressespiegel“ verlinkt und greift zurück auf den Anfang Mai in Haus Kirchburg gehaltenen Infoabend mit Vorträgen von Daniel Lau und Thomas Raimann.

Read Full Post »

Vor einigen Tagen kamen in Schnitt 12, auf der Außenseite der nördlichen Umfassungsmauer, in einer Grube zahlreiche Gefäßfragmente zutage. Darunter waren mindestens ein Dutzend Steinzeuggefäße, einige Glasflaschen und glasierte Keramikgefäße sowie eine mit blauem Muster bemalte Steingut- oder Porzellankanne.

Die originale Fundlage der Gefäßfragmente in der Abfallgrube in Schnitt 12.

Abgesehen davon, dass die meisten Gefäße sich vermutlich komplett oder nahezu komplett wieder zusammenkleben lassen, ist der Fund auch von kulturhistorischer Relevanz: Unter den Steinzeugflaschen waren einige, in denen Heilwasser aus der Niederselters Quelle (Selterswasser) nach Ankum transportiert wurde. Dieses medizinische Heil- und Kurwasser musste innerhalb kürzester Zeit die rund 350 km Wegstrecke transportiert werden, denn das Wasser war nur wenige Tage „frisch“ (ca. acht bis zehn Tage). Für eine Trinkkur musste jedoch die Belieferung über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten werden. Hier stellt sich also die Frage wer sich einen derartigen Aufwand leisten konnte.

Von besonderem archäologischen und historischem Interesse sind auch die Stempel auf den Flaschen. Sie geben nicht nur den Markennamen „Selters“ an, sondern auch die zuständige Verwaltungseinheit: 1681 gelangte die Quelle in den Besitz des Kurfürsten von Trier. Zwischen den Jahren 1754 und 1802 tragen die Seltersflaschen neben der Aufschrift „SELTERS“ auch das griechische oder lateinische Kreuz und die Initialen „CT“, die für CUR TRIER stehen. Danach fiel die Quelle kurzfristig in die Hände des Fürstentums Nassau-Weilburg. Dies wirkte sich von 1802-1806 auch auf die Stempel aus – sie tragen nunmehr einen Fürstenhut und die Beschriftung „SELTERS“ und die Initialen „NW“ für Nassau-Weilburg. Schließlich tragen die Flaschen aus dem Zeitraum von 1806-1836 die Initialen „HN“ für Herzogtum Nassau. Aus diesen drei Zeitabschnitten sind auch Flaschen in Ankum überliefert. Vermutlich wurde ein alter Lagerraum oder ein Keller ausgeräumt und die Flaschen und anderen Gefäße an der Mauer in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entsorgt.

Die Gefäße wurden mittlerweile komplett geborgen und werden in der Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück restauriert.

Literaturhinweis: Die Informationen zur Datierung der Seltersflaschen wurde zusammengetragen von G. Feller (S. 491-505) in: Margret Karras, Archäologische Untersuchungen in Ahaus 1974-1991. Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe 9/B, 1995, 441-609.

Read Full Post »

Schnitt 10 E: Der Schnitt wurde bereits vor einigen Tagen abgeschlossen. Das ca. 10 m lange Ostprofil soll jedoch beizeiten bis an die Mauer im Norden herangeführt und auch Richtung Süden noch ergänzt werden, um einen möglichst umfangreichen Schnitt durch das Kirchhofgelände zu erhalten. Wesentliche Befunde sind dabei zwar nicht zu erwarten, jedoch gilt es hier die ursprüngliche Topographie, also das Geländegefüge, zu rekonstruieren.

Schnitt 11 A: Heute wurde Schnitt 11 A in Richtung Westen um ca. 3 x 3 m erweitert. Dabei wurde wiederum die Asphaltdecke abgenommen, darunter kam, wie zu erwarten das Kieselsteinpflaster zum Vorschein. In einem ersten Abtrag wurde die lose Erde unter dem Pflaster auf eine hellgraue Sandschicht gebracht. Soweit waren die Schichten in ihrer Abfolge auch im östlich angrenzenden Profilgraben vorhanden. Morgen wird es an dieser Stelle tiefer gehen, um vor allem der Frage nach der Ausdehnung des mittelalterlichen Hauses nachzugehen.

Schnitt 11 B: Dieser Bereich ist weniger eindeutig als der benachbarte Schnitt 11 A, dies liegt überwiegend an den Grabgruben samt Bestattungen, die hier vor ein paar Tagen zum Vorschein kamen. Wenig lässt sich bislang jedoch über das Alter der Gräber sagen, die zum großen Teil unter die Asphaltdecke ragen und nicht ausgegraben werden. Vermutlich datieren sie jedoch in die Neuzeit, da der Boden rund um die Grabgruben und zum Teil auch in der Verfüllung mit glasierten Scherben und Steingutfragmenten gefüllt war.

Schnitt 12: Am Fuße einer vor die Mauer kragenden Entlastungskonstruktion fand sich eine neuzeitliche Abfallgrube. Hier konnten rund zwei Dutzend Flaschen (Steinzeug, Keramik und Glas) geborgen werden, die sich nahezu komplett restaurieren lassen. Zum Teil handelt es sich um Selters-Flaschen, die aufgrund ihres Markenstempels in die Zeit zwischen 1754 und 1836 datiert werden können.

Schnitt 13: Östlich des Durchgangs zur Kolpingstraße wurde ein 3 x 4 m großer Schnitt angelegt mit dem Ziel etwas über die Entwicklung der Umfassungsmauer zu erfahren. Ein alter zugemauerter Durchgang ist heute noch hier zu erkennen. Der Durchgang wurde in der ersten Hälfte des 20. Jh. zugesetzt, als gleichzeitig der breitere Durchgang zur Kolpingstraße hin geschaffen wurde. Leider verläuft in nur geringem Abstand zur Mauer und parallel zu ihr ein Starkstromkabel, das nicht in den Versorgungsplänen verzeichnet war. Der Boden ist hier so stark gestört, dass der Schnitt aufgegeben wurde.

Schnitt 14: Auf der Außenseite der Mauer gegenüber der Schnitte 11 A und 11 B wurde Schnitt 14 auf 3 x 4 m angelegt. Hier ist zu klären, ob der von Augenzeugen erwähnte Bunker aus Beton tatsächlich in diesem Bereich liegt. Erste Hinweise auf einen modernen Bau konnten sich tatsächlich recht bald nach Anlage des Schnittes finden. So zeigt sich ca. 5 m östlich der neuen Fläche eine Nord-Süd gerichtete kleine Mauer aus Backsteinen, die z. T. noch oberirdisch sichtbar ist. Außerdem zeigen sich erste Spuren einer großflächigen Betonfundamentierung oder Betondecke, die auch den nördlichen Teil von Schnitt 14 erreicht. In den nächsten Tagen werden an dieser Stelle neue Informationen darüber veröffentlicht werden.

Read Full Post »

Seit gut drei Monaten ist der live-Blog zu den Ausgrabungen an der Kirchenburg nun schon online und es ist Zeit für eine erste Rückschau: Einige kleinere Artikel sind dank der ersten Ausgrabungsergebnisse bereits zusammengekommen und erhellen unsere Kenntnisse über die Innengestaltung des alten Kirchenhofs und der Bebauung an der Mauer. In zwei Informationsveranstaltungen in den vergangenen Wochen konnten die Ergebnisse der Kampagnen 2009-2010 und die ersten Aussichten auf 2011 einem breiten Publikum vorgestellt werden. Und gerade heute erzählte mir eine Ankumerin, dass sie die Berichte hier im Blog mit Interesse verfolgt – das motiviert natürlich!

Um das Informationsangebot aber noch attraktiver zu gestalten sind wir auf Ihre Mithilfe angewiesen. Schreiben Sie uns, was wir verbessern können! Welche Fragen möchten Sie beantwortet wissen oder welche Informationen fehlen Ihnen. Nutzen Sie diese einmalige Gelegenheit Teil zu haben, an der öffentlichkeitswirksamen Präsentation der archäologischen Forschungen in Ankum.

Read Full Post »