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Archive for the ‘Funde’ Category

Die Grabung in Ankum neigt sich dem Ende zu. Bis zum 30. September wird noch geforscht.

Seit dem letzten Eintrag sind noch einige interessante Funde gemacht worden. Wie zum Beispiel ein vergoldeter Zierknopf mit Adlerdarstellung (siehe Foto). Vergleichbare Stücke stammen aus dem frühen 13. Jahrhundert, zur Zeit der Staufer, und wurden stets im Umfeld einer Burganlage entdeckt. Der Ziernagel wurde vermutlich dazu verwendet ein hölzernes Behältnis oder lederne Riemen oder Taschen zu verzieren.

Ein weiterer Grabungsschnitt unmittelbar nördlich des Kirchturms sollte der Frage nachgehen, wie dieses angeblich 1514 errichtete Bauwerk fundamentiert ist. Dabei machten wir eine interessante Entdeckung. In ca. 1,20 m Tiefe konnten wir mindestens zwei Mauerzüge verfolgen, die unter das Mauerwerk des heutigen Turmes ziehen und damit älter als 1514 zu datieren sind. Vermutlich handelt es sich dabei um Relikte einer steinernen Kirche aus dem Hoch- oder Spätmittelalter (siehe Foto).

Mauerstrukturen nördlich des Kirchturms - haben sich hier Reste eines alten Sakralbaus erhalten?

Nördlich der Umfassungsmauer wurde Ende August nochmals ordentlich Erde bewegt. Schnitt 15 konnte erweitert werden und ermöglicht es damit das 2010 entdeckte Grubenhaus mit Ofenanlage nunmehr vollkommen freizulegen und zu dokumentieren. Hier lässt sich auch einwandfrei belegen, dass das alte Grabensystem älter als die Anlage der Grubenhäuser sein muss, die aufgrund der in ihnen gemachten Funde zwischen 850 und 900 datieren.

Etwas weiter östlich und nördlich daran anschließend befindet sich noch ein längerer Grabungsschnitt, den es bis Ende des Monats noch zu untersuchen gilt. Hier befinden wir uns noch nicht auf dem Befundniveau, dies dürfte aber im Laufe der kommenden Woche erreicht sein – erste mittelalterliche Befunde deuten sich durch Konzentrationen von Keramikfunden bereits an.

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Nachdem es in den letzten Wochen etwas still geworden ist im Blog melden wir uns mit sehr schönen neuen Funden aus dem Mittelalter zurück.

Aus Schnitt 12 stammt der Fund eines sehr gut erhaltenen mittelalterlichen Eisenmessers. Das Messer ist vermutlich ins 12.-14. Jh. zu datieren. Es stammt aus unmittelbarer Nähe einer sehr fundreichen dunkel-humosen Schicht, die aufgrund des Fundmaterials ins Spätmittelalter zu datieren ist. Das Eisenmesser befindet sich bereits in der Restaurierung. Natürlich ist der Griff, der einst aus organischem Material (z.B. Holz) gewesen ist, mittlerweile vergangen, die Klinge und der Schäftungsdorn sind aber  laut Aussage unserer Restauratorin in sehr gutem Zustand.

Originale Fundlage des Messers in Schnitt 12

Weitere bemerkenswerte Funde wurden gestern und heute (28./29. Juni) gemacht. Aus der erwähnten dunkel-humosen Schicht wurden zwei Knochenkämme geborgen sowie ein Knochenwerkzeug (Pfriem). Die Stücke sind allesamt unverziert. Bei einem der Kämme handelt es sich um das Bruchstück eines sogenannten Dreilagen-Kamms, der andere Kamm ist ein Steilkamm und wurde entweder im Textilhandwerk oder als Zierkamm verwendet. Die Knochenkämme datieren ebenfalls ins Hoch- bis Spätmittelalter (12.-14. Jh.)

Originale Fundlage des Steilkamms in Schnitt 12

 

 

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Vor einigen Tagen kamen in Schnitt 12, auf der Außenseite der nördlichen Umfassungsmauer, in einer Grube zahlreiche Gefäßfragmente zutage. Darunter waren mindestens ein Dutzend Steinzeuggefäße, einige Glasflaschen und glasierte Keramikgefäße sowie eine mit blauem Muster bemalte Steingut- oder Porzellankanne.

Die originale Fundlage der Gefäßfragmente in der Abfallgrube in Schnitt 12.

Abgesehen davon, dass die meisten Gefäße sich vermutlich komplett oder nahezu komplett wieder zusammenkleben lassen, ist der Fund auch von kulturhistorischer Relevanz: Unter den Steinzeugflaschen waren einige, in denen Heilwasser aus der Niederselters Quelle (Selterswasser) nach Ankum transportiert wurde. Dieses medizinische Heil- und Kurwasser musste innerhalb kürzester Zeit die rund 350 km Wegstrecke transportiert werden, denn das Wasser war nur wenige Tage „frisch“ (ca. acht bis zehn Tage). Für eine Trinkkur musste jedoch die Belieferung über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten werden. Hier stellt sich also die Frage wer sich einen derartigen Aufwand leisten konnte.

Von besonderem archäologischen und historischem Interesse sind auch die Stempel auf den Flaschen. Sie geben nicht nur den Markennamen „Selters“ an, sondern auch die zuständige Verwaltungseinheit: 1681 gelangte die Quelle in den Besitz des Kurfürsten von Trier. Zwischen den Jahren 1754 und 1802 tragen die Seltersflaschen neben der Aufschrift „SELTERS“ auch das griechische oder lateinische Kreuz und die Initialen „CT“, die für CUR TRIER stehen. Danach fiel die Quelle kurzfristig in die Hände des Fürstentums Nassau-Weilburg. Dies wirkte sich von 1802-1806 auch auf die Stempel aus – sie tragen nunmehr einen Fürstenhut und die Beschriftung „SELTERS“ und die Initialen „NW“ für Nassau-Weilburg. Schließlich tragen die Flaschen aus dem Zeitraum von 1806-1836 die Initialen „HN“ für Herzogtum Nassau. Aus diesen drei Zeitabschnitten sind auch Flaschen in Ankum überliefert. Vermutlich wurde ein alter Lagerraum oder ein Keller ausgeräumt und die Flaschen und anderen Gefäße an der Mauer in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entsorgt.

Die Gefäße wurden mittlerweile komplett geborgen und werden in der Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück restauriert.

Literaturhinweis: Die Informationen zur Datierung der Seltersflaschen wurde zusammengetragen von G. Feller (S. 491-505) in: Margret Karras, Archäologische Untersuchungen in Ahaus 1974-1991. Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe 9/B, 1995, 441-609.

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Schnitt 10 E: Der Schnitt wurde bereits vor einigen Tagen abgeschlossen. Das ca. 10 m lange Ostprofil soll jedoch beizeiten bis an die Mauer im Norden herangeführt und auch Richtung Süden noch ergänzt werden, um einen möglichst umfangreichen Schnitt durch das Kirchhofgelände zu erhalten. Wesentliche Befunde sind dabei zwar nicht zu erwarten, jedoch gilt es hier die ursprüngliche Topographie, also das Geländegefüge, zu rekonstruieren.

Schnitt 11 A: Heute wurde Schnitt 11 A in Richtung Westen um ca. 3 x 3 m erweitert. Dabei wurde wiederum die Asphaltdecke abgenommen, darunter kam, wie zu erwarten das Kieselsteinpflaster zum Vorschein. In einem ersten Abtrag wurde die lose Erde unter dem Pflaster auf eine hellgraue Sandschicht gebracht. Soweit waren die Schichten in ihrer Abfolge auch im östlich angrenzenden Profilgraben vorhanden. Morgen wird es an dieser Stelle tiefer gehen, um vor allem der Frage nach der Ausdehnung des mittelalterlichen Hauses nachzugehen.

Schnitt 11 B: Dieser Bereich ist weniger eindeutig als der benachbarte Schnitt 11 A, dies liegt überwiegend an den Grabgruben samt Bestattungen, die hier vor ein paar Tagen zum Vorschein kamen. Wenig lässt sich bislang jedoch über das Alter der Gräber sagen, die zum großen Teil unter die Asphaltdecke ragen und nicht ausgegraben werden. Vermutlich datieren sie jedoch in die Neuzeit, da der Boden rund um die Grabgruben und zum Teil auch in der Verfüllung mit glasierten Scherben und Steingutfragmenten gefüllt war.

Schnitt 12: Am Fuße einer vor die Mauer kragenden Entlastungskonstruktion fand sich eine neuzeitliche Abfallgrube. Hier konnten rund zwei Dutzend Flaschen (Steinzeug, Keramik und Glas) geborgen werden, die sich nahezu komplett restaurieren lassen. Zum Teil handelt es sich um Selters-Flaschen, die aufgrund ihres Markenstempels in die Zeit zwischen 1754 und 1836 datiert werden können.

Schnitt 13: Östlich des Durchgangs zur Kolpingstraße wurde ein 3 x 4 m großer Schnitt angelegt mit dem Ziel etwas über die Entwicklung der Umfassungsmauer zu erfahren. Ein alter zugemauerter Durchgang ist heute noch hier zu erkennen. Der Durchgang wurde in der ersten Hälfte des 20. Jh. zugesetzt, als gleichzeitig der breitere Durchgang zur Kolpingstraße hin geschaffen wurde. Leider verläuft in nur geringem Abstand zur Mauer und parallel zu ihr ein Starkstromkabel, das nicht in den Versorgungsplänen verzeichnet war. Der Boden ist hier so stark gestört, dass der Schnitt aufgegeben wurde.

Schnitt 14: Auf der Außenseite der Mauer gegenüber der Schnitte 11 A und 11 B wurde Schnitt 14 auf 3 x 4 m angelegt. Hier ist zu klären, ob der von Augenzeugen erwähnte Bunker aus Beton tatsächlich in diesem Bereich liegt. Erste Hinweise auf einen modernen Bau konnten sich tatsächlich recht bald nach Anlage des Schnittes finden. So zeigt sich ca. 5 m östlich der neuen Fläche eine Nord-Süd gerichtete kleine Mauer aus Backsteinen, die z. T. noch oberirdisch sichtbar ist. Außerdem zeigen sich erste Spuren einer großflächigen Betonfundamentierung oder Betondecke, die auch den nördlichen Teil von Schnitt 14 erreicht. In den nächsten Tagen werden an dieser Stelle neue Informationen darüber veröffentlicht werden.

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Wie berichtet wurde in Schnitt 11A ein Stampflehmfußboden eines Hauses teilweise freigelegt. Anhand der neuesten Erkenntnisse scheint es nun gesichert zu sein, dass es sich dabei nicht um ein neuzeitliches, sondern um ein mittelalterliches Haus handelt! Auf der Fußbodenoberfläche konnte das Fragment einer Silbermünze geborgen werden. Nach der Restaurierung des Fragments konnte die Zugehörigkeit der Münze bestimmt werden (mein Dank geht dabei an Dr. Sebastian Steinbach M.A.). Es handelt sich dabei um einen Silber-Denar des Münsteraner Bischofs Ludolf von Holte (1226-1248), der zu der Familie von Holte nahe Osnabrück gehört (Holter Burg). In folgender Verlinkung erhalten Sie weitere Informationen sowohl über Bischof Ludolf von Holte als auch über den Silber-Denaren, samt Abbildung.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ein kleines Münzfragment kann nur ein erstes Indiz für die Datierung des Fußbodens liefern, aber nach erster Durchsicht der kleinen Keramikfragmente, die ebenfalls aus dem Stampflehmfußboden stammen, teilweise nach Art des Siegburger Steinzeugs, wird eine Datierung in das beginnende Spätmittelalter, bzw. in das 13. Jahrhundert sehr wahrscheinlich.

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In Schnitt 11A haben wir unter der Asphaltdecke und dem Kieselpflaster einen Stampflehmfußboden entdeckt. In der alten Flurkarte von 1788 ist an der Nordseite der Kirchenburganlage ein Haus eingezeichnet (siehe im Plan Gebäude Nr. 8), das in den zeitgenössischen Beschreibungen als das „Wellmann’sche“ Häuschen bekannt war. Dabei dürfte es sich um ein kleineres Fachwerkhaus in Schwellbalken-Konstruktion gehandelt haben.

Die Kirchenburganlage nach einer Flurkarte von 1788. Mit dem Pfeil ist Gebäude Nr. 8 markiert, das Wellmann'sche Haus.

Bereits 2009 unternahmen wir den Versuch diesen Wohnbau zu entdecken, als wir in den Schnitten 3a und 3b entlang der Innenseite der Mauer gegraben haben. Dort förderten wir damals nur zahlreiche Bestattungen zutage – anders in Schnitt 11A, der bislang komplett ungestört ist, so dass sich auch der alte Fußboden erhalten hat.

Ob es sich wirklich um das Wellmann’sche Haus handelt kann bislang nur vermutet werden, zu klein ist der als Profilerweiterung geplante Schnitt, um sichere Aussagen zu treffen. Im Mai werden jedoch größere Bereiche entlang des asphaltierten Wegs geöffnet, um dieser Frage nachzugehen.

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In Schnitt 10E, der am Nordrand des alten Friedhofs liegt, kamen seit Grabungsbeginn mehrere Bestattungen zum Vorschein, die eine Besonderheit aufweisen. Normalerweise sind christliche Gräber streng vereinheitlicht worden: Den Kopf im Westen und die Füße im Osten orientiert bei gestreckter Rückenlage. Allenfalls die Armhaltung konnte variieren und nur die Sarggüte unterschied soziale Oberschicht von Unterschicht. Alle Gräber waren in der Regel beigabenlos, so dass es für den Archäologen ohne Labormethoden nahezu unmöglich ist solche Bestattungen zu datieren.

Allerdings gab es seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert eine Besonderheit. Jungen unverheirateten Männern und Frauen, aber auch Kindern, wurden sogenannte Totenkrönchen mit in das Grab gegeben. Bei einem Totenkrönchen handelt es sich um ein sehr aufwendig gestaltetes Flechtwerk aus sehr dünnem Silber- oder Buntmetalldraht, das mit Federn, Silberflitter, Glashohlperlen oder in sehr seltenen Fällen auch mit Flussmuschelperlen verziert und auf einen eisernen Reifen gesteckt war.

Mehrere dieser Totenkrönchen konnten bei den Ausgrabungen geborgen werden – die Vermutung liegt nahe, dass der derzeitige Schnitt 10E als Friedhofsareal für Kinder und ledig verstorbene vorbehalten war. Weitere Untersuchungen werden in den kommenden Wochen vielleicht mehr Anhaltspunkte liefern können.

Schnitt 10E: Totenkrönchen in originaler Fundlage (Foto: N. Grunert).

 

Detail einer Totenkrone am Schädel. Die grüne Verfärbung stammt von den Oxidationsprozessen. (Foto: S. Hegenbarth-Jüdes)

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