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Posts Tagged ‘Ausgrabung 2011’

In Schnitt 10E, der am Nordrand des alten Friedhofs liegt, kamen seit Grabungsbeginn mehrere Bestattungen zum Vorschein, die eine Besonderheit aufweisen. Normalerweise sind christliche Gräber streng vereinheitlicht worden: Den Kopf im Westen und die Füße im Osten orientiert bei gestreckter Rückenlage. Allenfalls die Armhaltung konnte variieren und nur die Sarggüte unterschied soziale Oberschicht von Unterschicht. Alle Gräber waren in der Regel beigabenlos, so dass es für den Archäologen ohne Labormethoden nahezu unmöglich ist solche Bestattungen zu datieren.

Allerdings gab es seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert eine Besonderheit. Jungen unverheirateten Männern und Frauen, aber auch Kindern, wurden sogenannte Totenkrönchen mit in das Grab gegeben. Bei einem Totenkrönchen handelt es sich um ein sehr aufwendig gestaltetes Flechtwerk aus sehr dünnem Silber- oder Buntmetalldraht, das mit Federn, Silberflitter, Glashohlperlen oder in sehr seltenen Fällen auch mit Flussmuschelperlen verziert und auf einen eisernen Reifen gesteckt war.

Mehrere dieser Totenkrönchen konnten bei den Ausgrabungen geborgen werden – die Vermutung liegt nahe, dass der derzeitige Schnitt 10E als Friedhofsareal für Kinder und ledig verstorbene vorbehalten war. Weitere Untersuchungen werden in den kommenden Wochen vielleicht mehr Anhaltspunkte liefern können.

Schnitt 10E: Totenkrönchen in originaler Fundlage (Foto: N. Grunert).

 

Detail einer Totenkrone am Schädel. Die grüne Verfärbung stammt von den Oxidationsprozessen. (Foto: S. Hegenbarth-Jüdes)

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Schnitt 11A an der nördlichen Umfassungsmauer wurde in dieser Woche Richtung Süden erweitert. Dabei musste die Asphaltdecke aufgerissen werden. Darunter kam ein gut erhaltenes Pflaster aus Kieselsteinen zutage. Bislang vermuten wir, dass das Pflaster aus der Zeit zwischen 1850 und 1930 stammen könnte, weitere Forschungen am und vor allem an den darunter liegenden Schichten in den Schnitten 11A und 11B erfolgen in den nächsten Tagen und können dazu beitragen die Datierung einzugrenzen.
Kieselsteinpflaster unter der Asphaltdecke

Der Hintergrund für die Süderweiterung ist der Fund einer mächtigen von Menschenhand aufgeschütteten Erdschicht direkt vor der Mauer. In einem kleinen ca. 1,5 x 1,5 m großen Tiefschnitt wurde eine 2,0 m starke Erdschicht entdeckt, die anhand der geringen Funde, die aus ihr stammen, in die Zeit um 900 oder älter datiert werden muss. Diese Erdschicht läuft sowohl Richtung Norden unter die Mauer als auch nach Süden. Der weitere Verlauf dieser Erdschicht Richtung Süden soll erforscht werden und Aufschluss über die Funktion bringen. Zwei Möglichkeiten bestehen – entweder handelt es sich dabei um einen mächtigen Wall, also eine Befestigungsanlage auf der die Mauer zu späterer Zeit errichtet wurde, oder es ist eine Planierschicht, die aufgetragen wurde, um das Niveau hinter der Mauer anzugleichen und eine vergrößerte Lauffläche zu erhalten.

In den nächsten Wochen soll die Frage nach der Funktion der Erdschicht geklärt werden.

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An der Innenseite der nördlichen Umfassungsmauer, westlich der alten Schnitte 3a/3b, liegen die neuen Suchschnitte 11A und 11B. In den vergangenen Tagen wurde hier die Oberfläche abgetragen und bereits die ersten mittelalterlichen Gefäßscherben konnten geborgen werden. Bislang handelt es sich in diesem Bereich wohl überwiegend um Verfüllschutt, der in der Neuzeit oder Moderne aufgetragen wurde, um das Gelände direkt an der Mauer zu planieren.

Nur wenige Meter südlich dieser beiden Suchschnitte liegt Schnitt 10E. Hier konnte festgestellt werden, dass in der Vergangenheit (zwischen 1900 und 1970) der gesamte Oberboden des Kirchhofs mit schwerem Gerät abgeschoben worden sein muss. Dabei wurden die Bestattungen abgetragen und zerstört und nur wenige Beisetzungen haben sich im Randbereich, der an dieser Stelle untersucht wird, erhalten. Neben Grabgruben mit wenigen Bestattungen konnten in diesem Schnitt einige versprengte Keramikscherben aus dem Mittelalter und Feuersteinabschläge und Werkzeuge aus der Jungsteinzeit  (Trichterbecher-Kultur, um 3000 v. Chr.) geborgen werden.

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Im bereits abschließend untersuchten Schnitt 10 D, nur wenige Meter östlich der Apsis von St. Nikolaus, haben wir in den vergangenen Tagen eine Abfolge von mehreren Bauschutt-Schichten untersucht. Darunter findet sich auch eine schwärzliche, stark mit Kohle durchsetzte Brand-Schuttschicht.

Im Jahre 1892 wurde die Vorgängerkirche von einem Blitzeinschlag getroffen und durch den Brand zerstört. Drei Jahre später, 1895, hat man die gesamte Kirche dann abgerissen – einige Fotodokumente belegen sehr anschaulich die Abrissarbeiten von damals.

Der Schutt, der bei den Bauarbeiten von 1895 anfiel kam im untersuchten Schnitt zum Vorschein. Darunter fanden sich Bruchsteine, Ziegel und Dachschindeln aber auch alte Eisennägel, Glas aus dem Kircheninneren und einiges mehr. Nach Abschluss der Bauarbeiten an der Kirche hatte man den Schutt nach 1900 mit Erde bedeckt und Rasen ausgesät.

 

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Bei der geplanten Untersuchung des Kirchhofs entdeckte unser Team bereits am ersten Grabungstag, dass im Bereich der eingemessenen Schnitte 10 B und 10 C bis zu 2 m starke Schuttmassen aufgetürmt waren.

Während des Kirchenbaus von 1896 bis 1900 mussten zum Teil tiefe Gräben durch den Kirchhof gezogen werden, um Fuhrwerken, die mit Bauelementen beladen waren, einen leichteren Zugang zur Kirche zu ermöglichen. Nach Abschluss der Arbeiten an der Kirche wurde der Kirchenhof komplett neu gestaltet und das Gelände modelliert.

Aus diesem Grund ist es momentan nicht möglich im Bereich der geplanten Schnitte ohne Einsatz schweren Geräts weiterzuarbeiten. Und selbst wenn Bagger vorhanden wären ist es fraglich, ob die alte Oberfläche nicht durch die enormen Baumaßnahmen vollkommen zerstört ist. Unser Plan, die seit dem 17. Jahrhundert bekannten Heuerhäuser/Speicher auf dem Kirchhof zu finden, muss leider aufgegeben werden.

Daher wurden an zwei Stellen, weiter westlich Richtung Apsis und weiter nördlich Richtung Umfassungmauer, neue Suchschnitte geöffnet, um Spuren einer mittelalterlichen Besiedlung des Kirchenhofs nachzuspüren. Diese Schnitte 10 D und 10 E haben bereits erste interessante Befunde erbracht, die in den kommenden Tagen untersucht werden sollen.

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Heute wurden die Messpflöcke für Schnitt 10 eingeschlagen. Damit beginnt nach viermonatiger Grabungspause ein wichtiger neuer Abschnitt in der Erforschung der Ankumer Kirchenburg. Bislang haben sich die Ausgrabungen auf den Außenbereich an der nördlichen Umfassungsmauer konzentriert.

Neben den beiden kleinen Sondagen an der Nordmauer auf der Innenseite (2009)  und dem Schnitt direkt an der Nordseite der Kirche (2010) soll diesmal ein größeres zusammenhängendes Gebiet untersucht werden.

Ziel ist es, die beiden vom 17.-19. Jahrhundert belegten Speicherbauten/Heuerhäuser freizulegen und mögliche mittelalterliche Vorgängerbauten zu identifizieren.

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