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Posts Tagged ‘Osnabrück’

Im Juli ist auf der Grabung viel geschehen – nur wenig davon lässt sich in eindrucksvollen Bildern präsentieren, da sich die interessanten Befunde meist nur in flüchtigen Verfärbungen oder ihrer Relation zueinander darstellen. Dennoch sollen heute wieder einmal einige Dinge zusammengefasst werden, um zu zeigen was sich alles in den letzten Wochen getan hat:

Schnitt 11A/B: Beide Schnitte sind mittlerweile vollständig dokumentiert und wieder verfüllt worden. In 11A konnten unter dem Fußboden eines mittelalterlichen Hauses drei zeitlich voneinander zu trennende Schichten mit Bestattungen freigelegt werden. Nur anhand der Sargstandspuren konnte überhaupt auf das Vorhandensein von Bestattungen geschlossen werden, da sämtliche Knochen schon lange vergangen waren. Daher ist es auch schwierig die Bestattungen zeitlich einzuordnen – sie müssen älter sein als das Haus, das in das 13. Jahrhundert datiert wird. Vor der Nutzung des Areals als Friedhof gibt es Hinweise auf eine einfache Wallanlage. Es liegen leider keine stichhaltigen Beweise für die Existenz eines solchen Befestigungswerkes vor, dennoch deuten kleinere Befunde ein Vorhandensein an. Um diese Frage vollends zu klären müsste im Bereich unter der Mauer und auf der Innenseite nochmals in größerem Umfang gegraben werden – eine Arbeit die in der noch zur Verfügung stehenden Zeit leider nicht möglich ist.

Schnitt 12: Hier konnte das Grabensystem, das 2010 schon entdeckt wurde, weiterverfolgt werden. Ein Graben“arm“ zweigt nach Norden hin ab und endet nach wenigen Metern – in den nächsten Wochen soll der Schnitt Richtung Norden erweitert werden. Findet sich dort ein „Gegenstück“ so könnte es sich bei dem Graben um eine Einfriedung für z.B. ein Gebäude handeln und die „Lücke“ zwischen den beiden Grabenenden wäre als Zugang zum Grundstück zu interpretieren. Ein Teil eines West-Ost-verlaufenden Grabens war mit mittelalterlichem Abfall angefüllt. Aus diesem Abfallhaufen stammen auch die bereits erwähnten Kämme.

Schnitt 15: Auch in diesem Schnitt am westlichen Rand des alten Küstergartens konnte ein Teil des Grabensystems nachgeweisen werden – hier konzentrieren sich die Forschungen in der kommenden Woche, dann ist auch dieser Schnitt abgeschlossen. Insgesamt zwei neue Fibelfunde sind aus diesem nur ca. 3×3 m großen Abschnitt zu verzeichnen.

Schnitt 16: Nördlich des alten Schnittes 7 und zwischen den Schnitten 5D und 8 aus dem Jahre 2010 gelegen wurde ein ca. 4 x 7 m großer Suchschnitt angelegt, der mittlerweile auf Befundtiefe abgetragen wurde. Noch sind die Befundgrenzen stark verwaschen und lassen sich nicht interpretieren – in ein bis zwei Wochen werden hier aber auch eindeutige Befunde vorliegen.

Schnitt 17: Der neueste Schnitt liegt unmittelbar an der Nordseite des Westturmes und soll der Frage nach der Fundamentierung des Turmes nachgehen. Hier wurde bislang nur im Bereich des neuzeitlichen Schutts gegraben, der durch den Abriss der Vorgängerkirche (1895) hier aufgebracht wurde.

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Nachdem es in den letzten Wochen etwas still geworden ist im Blog melden wir uns mit sehr schönen neuen Funden aus dem Mittelalter zurück.

Aus Schnitt 12 stammt der Fund eines sehr gut erhaltenen mittelalterlichen Eisenmessers. Das Messer ist vermutlich ins 12.-14. Jh. zu datieren. Es stammt aus unmittelbarer Nähe einer sehr fundreichen dunkel-humosen Schicht, die aufgrund des Fundmaterials ins Spätmittelalter zu datieren ist. Das Eisenmesser befindet sich bereits in der Restaurierung. Natürlich ist der Griff, der einst aus organischem Material (z.B. Holz) gewesen ist, mittlerweile vergangen, die Klinge und der Schäftungsdorn sind aber  laut Aussage unserer Restauratorin in sehr gutem Zustand.

Originale Fundlage des Messers in Schnitt 12

Weitere bemerkenswerte Funde wurden gestern und heute (28./29. Juni) gemacht. Aus der erwähnten dunkel-humosen Schicht wurden zwei Knochenkämme geborgen sowie ein Knochenwerkzeug (Pfriem). Die Stücke sind allesamt unverziert. Bei einem der Kämme handelt es sich um das Bruchstück eines sogenannten Dreilagen-Kamms, der andere Kamm ist ein Steilkamm und wurde entweder im Textilhandwerk oder als Zierkamm verwendet. Die Knochenkämme datieren ebenfalls ins Hoch- bis Spätmittelalter (12.-14. Jh.)

Originale Fundlage des Steilkamms in Schnitt 12

 

 

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Ausstellung in Ankum

von Christina Schmidt

Einige von Ihnen werden bereits den ausgedienten Baucontainer am Südportal der Kirche St. Nikolaus bemerkt haben. In den vergangenen Wochen hat sich dort einiges getan: Der Fußboden wurde erneuert, die Wände mit Stoffbahnen ausgekleidet, Banner angebracht.

Im Container am Südportal finden Sie künftig Informationen zu den Ausgrabungsergebnissen aus den Jahren 2009 und 2010.

 

Der Grund hierfür ist die bevorstehende Ausstellung über die archäologische Forschung an der Kirchenburg zu Ankum. Geöffnet ist der Info-Container nun schon seit dem 26. Mai, die offizielle Eröffnung folgt am 14.06.2011. Zu bestaunen gibt es Stelltafeln über die Ausgrabungen der Jahre 2009 und 2010 in Ankum, ihre Hintergründe und erste Ergebnisse. Funde können leider mit Ausnahme einiger Tonscherben nicht ausgestellt werden, da die Restaurierungsarbeiten sowie die wissenschaftliche Aufarbeitung noch nicht vollständig abgeschlossen sind. Wir bitten um Ihr Verständnis. Als kleine Entschädigung finden Sie zahlreiche Fotos und Einblicke in die Arbeit der Archäologen auf den Ausstellungstafeln.

Besuchen können Sie die Ausstellung ab sofort täglich Mo-So 08.00-19.00.

Wir freuen uns über Ihren Besuch!

 

Der Container hält Infotafeln bereit und ist ab sofort jeden Tag geöffnet.

Gelegenheit mich einmal persönlich vorzustellen: Denn die Ausstellung ist zugleich mein eigenverantwortliches Projekt im Rahmen des FSJ Kultur bei der Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück. Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) ist den meisten nur aus dem sozialen Bereich bekannt, kann seit nunmehr 10 Jahren allerdings auch in kulturellen Einrichtungen absolviert werden. Das Spektrum ist weit gefächert: Von der Mitarbeit in Musik- und Kunstschulen über Theater, Museen und Jugendzentren bis hin zu lokalen Radiosendern. Der Trägerverein ist die Landesvereinigung für Kulturelle Jugendbildung (LKJ) Niedersachsen. Seit September 2010 unterstütze ich als Freiwillige nun schon das Projekt an der Kirchenburg Ankum, war sowohl an den Grabungen als auch an der Aufarbeitungsphase in unserer Dienststelle in Osnabrück in den Wintermonaten beteiligt. So kam es, dass mir die Gestaltung und Konzeption einer Stellwandpräsentation als Projektarbeit anvertraut wurde, deren Ergebnis Sie fortan in Ankum besichtigen können.

Weitere Informationen zum FSJ Kultur finden Sie unter: www.fsjkultur.de

 

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Seit gut drei Monaten ist der live-Blog zu den Ausgrabungen an der Kirchenburg nun schon online und es ist Zeit für eine erste Rückschau: Einige kleinere Artikel sind dank der ersten Ausgrabungsergebnisse bereits zusammengekommen und erhellen unsere Kenntnisse über die Innengestaltung des alten Kirchenhofs und der Bebauung an der Mauer. In zwei Informationsveranstaltungen in den vergangenen Wochen konnten die Ergebnisse der Kampagnen 2009-2010 und die ersten Aussichten auf 2011 einem breiten Publikum vorgestellt werden. Und gerade heute erzählte mir eine Ankumerin, dass sie die Berichte hier im Blog mit Interesse verfolgt – das motiviert natürlich!

Um das Informationsangebot aber noch attraktiver zu gestalten sind wir auf Ihre Mithilfe angewiesen. Schreiben Sie uns, was wir verbessern können! Welche Fragen möchten Sie beantwortet wissen oder welche Informationen fehlen Ihnen. Nutzen Sie diese einmalige Gelegenheit Teil zu haben, an der öffentlichkeitswirksamen Präsentation der archäologischen Forschungen in Ankum.

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Wie berichtet wurde in Schnitt 11A ein Stampflehmfußboden eines Hauses teilweise freigelegt. Anhand der neuesten Erkenntnisse scheint es nun gesichert zu sein, dass es sich dabei nicht um ein neuzeitliches, sondern um ein mittelalterliches Haus handelt! Auf der Fußbodenoberfläche konnte das Fragment einer Silbermünze geborgen werden. Nach der Restaurierung des Fragments konnte die Zugehörigkeit der Münze bestimmt werden (mein Dank geht dabei an Dr. Sebastian Steinbach M.A.). Es handelt sich dabei um einen Silber-Denar des Münsteraner Bischofs Ludolf von Holte (1226-1248), der zu der Familie von Holte nahe Osnabrück gehört (Holter Burg). In folgender Verlinkung erhalten Sie weitere Informationen sowohl über Bischof Ludolf von Holte als auch über den Silber-Denaren, samt Abbildung.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ein kleines Münzfragment kann nur ein erstes Indiz für die Datierung des Fußbodens liefern, aber nach erster Durchsicht der kleinen Keramikfragmente, die ebenfalls aus dem Stampflehmfußboden stammen, teilweise nach Art des Siegburger Steinzeugs, wird eine Datierung in das beginnende Spätmittelalter, bzw. in das 13. Jahrhundert sehr wahrscheinlich.

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Für den 3. Mai ist ein öffentlicher Vortragsabend geplant, um über die aktuellen archäologisch-historischen Forschungen in Ankum zu informieren. Dies ist nun der zweite Vortragsabend in diesem Jahr und der insgesamt vierte in Ankum seit Beginn der Grabungen.

Die Veranstaltung findet in „Haus Kirchburg“ in Sichtweite der aktuellen Ausgrabung statt, der Eintritt ist frei, Beginn: 19 Uhr.

Es sprechen Dr. Daniel Lau über die aktuellen Grabungen im Kirchenhof sowie Thomas Raimann über sein Promotionsvorhaben im Fach Geschichte des Mittelalters an der Universität Osnabrück.

Bei guter Witterung wird es eine kurze Besichtigung der Grabungsflächen geben.

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In Schnitt 11A haben wir unter der Asphaltdecke und dem Kieselpflaster einen Stampflehmfußboden entdeckt. In der alten Flurkarte von 1788 ist an der Nordseite der Kirchenburganlage ein Haus eingezeichnet (siehe im Plan Gebäude Nr. 8), das in den zeitgenössischen Beschreibungen als das „Wellmann’sche“ Häuschen bekannt war. Dabei dürfte es sich um ein kleineres Fachwerkhaus in Schwellbalken-Konstruktion gehandelt haben.

Die Kirchenburganlage nach einer Flurkarte von 1788. Mit dem Pfeil ist Gebäude Nr. 8 markiert, das Wellmann'sche Haus.

Bereits 2009 unternahmen wir den Versuch diesen Wohnbau zu entdecken, als wir in den Schnitten 3a und 3b entlang der Innenseite der Mauer gegraben haben. Dort förderten wir damals nur zahlreiche Bestattungen zutage – anders in Schnitt 11A, der bislang komplett ungestört ist, so dass sich auch der alte Fußboden erhalten hat.

Ob es sich wirklich um das Wellmann’sche Haus handelt kann bislang nur vermutet werden, zu klein ist der als Profilerweiterung geplante Schnitt, um sichere Aussagen zu treffen. Im Mai werden jedoch größere Bereiche entlang des asphaltierten Wegs geöffnet, um dieser Frage nachzugehen.

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