Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Selters’

Vor einigen Tagen kamen in Schnitt 12, auf der Außenseite der nördlichen Umfassungsmauer, in einer Grube zahlreiche Gefäßfragmente zutage. Darunter waren mindestens ein Dutzend Steinzeuggefäße, einige Glasflaschen und glasierte Keramikgefäße sowie eine mit blauem Muster bemalte Steingut- oder Porzellankanne.

Die originale Fundlage der Gefäßfragmente in der Abfallgrube in Schnitt 12.

Abgesehen davon, dass die meisten Gefäße sich vermutlich komplett oder nahezu komplett wieder zusammenkleben lassen, ist der Fund auch von kulturhistorischer Relevanz: Unter den Steinzeugflaschen waren einige, in denen Heilwasser aus der Niederselters Quelle (Selterswasser) nach Ankum transportiert wurde. Dieses medizinische Heil- und Kurwasser musste innerhalb kürzester Zeit die rund 350 km Wegstrecke transportiert werden, denn das Wasser war nur wenige Tage „frisch“ (ca. acht bis zehn Tage). Für eine Trinkkur musste jedoch die Belieferung über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten werden. Hier stellt sich also die Frage wer sich einen derartigen Aufwand leisten konnte.

Von besonderem archäologischen und historischem Interesse sind auch die Stempel auf den Flaschen. Sie geben nicht nur den Markennamen „Selters“ an, sondern auch die zuständige Verwaltungseinheit: 1681 gelangte die Quelle in den Besitz des Kurfürsten von Trier. Zwischen den Jahren 1754 und 1802 tragen die Seltersflaschen neben der Aufschrift „SELTERS“ auch das griechische oder lateinische Kreuz und die Initialen „CT“, die für CUR TRIER stehen. Danach fiel die Quelle kurzfristig in die Hände des Fürstentums Nassau-Weilburg. Dies wirkte sich von 1802-1806 auch auf die Stempel aus – sie tragen nunmehr einen Fürstenhut und die Beschriftung „SELTERS“ und die Initialen „NW“ für Nassau-Weilburg. Schließlich tragen die Flaschen aus dem Zeitraum von 1806-1836 die Initialen „HN“ für Herzogtum Nassau. Aus diesen drei Zeitabschnitten sind auch Flaschen in Ankum überliefert. Vermutlich wurde ein alter Lagerraum oder ein Keller ausgeräumt und die Flaschen und anderen Gefäße an der Mauer in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entsorgt.

Die Gefäße wurden mittlerweile komplett geborgen und werden in der Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück restauriert.

Literaturhinweis: Die Informationen zur Datierung der Seltersflaschen wurde zusammengetragen von G. Feller (S. 491-505) in: Margret Karras, Archäologische Untersuchungen in Ahaus 1974-1991. Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe 9/B, 1995, 441-609.

Advertisements

Read Full Post »