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Posts Tagged ‘Totenkrone’

In Schnitt 10E, der am Nordrand des alten Friedhofs liegt, kamen seit Grabungsbeginn mehrere Bestattungen zum Vorschein, die eine Besonderheit aufweisen. Normalerweise sind christliche Gräber streng vereinheitlicht worden: Den Kopf im Westen und die Füße im Osten orientiert bei gestreckter Rückenlage. Allenfalls die Armhaltung konnte variieren und nur die Sarggüte unterschied soziale Oberschicht von Unterschicht. Alle Gräber waren in der Regel beigabenlos, so dass es für den Archäologen ohne Labormethoden nahezu unmöglich ist solche Bestattungen zu datieren.

Allerdings gab es seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert eine Besonderheit. Jungen unverheirateten Männern und Frauen, aber auch Kindern, wurden sogenannte Totenkrönchen mit in das Grab gegeben. Bei einem Totenkrönchen handelt es sich um ein sehr aufwendig gestaltetes Flechtwerk aus sehr dünnem Silber- oder Buntmetalldraht, das mit Federn, Silberflitter, Glashohlperlen oder in sehr seltenen Fällen auch mit Flussmuschelperlen verziert und auf einen eisernen Reifen gesteckt war.

Mehrere dieser Totenkrönchen konnten bei den Ausgrabungen geborgen werden – die Vermutung liegt nahe, dass der derzeitige Schnitt 10E als Friedhofsareal für Kinder und ledig verstorbene vorbehalten war. Weitere Untersuchungen werden in den kommenden Wochen vielleicht mehr Anhaltspunkte liefern können.

Schnitt 10E: Totenkrönchen in originaler Fundlage (Foto: N. Grunert).

 

Detail einer Totenkrone am Schädel. Die grüne Verfärbung stammt von den Oxidationsprozessen. (Foto: S. Hegenbarth-Jüdes)

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